Geschrieben von Andi

20160518_092038Ein neuer Tag beginnt. Nachdem wir gefrühstückt und alles wieder im Auto verstaut haben heißt es warten auf den Ralleystart um 09.00 Uhr. Der Bürgermeister der Stadt Usak läßt es sich nicht nehmen den Start zu eröffnen. Doch da gibt es meistens ein Problem: Kommen diese Herren ein klein wenig zu spät und wenn die Teilnehmer bereits im Ralley-Modus sind, sprich die Motoren aufheulen lassen und dann auch noch zu hupen beginnen, ist die geplante  Ansprache vom Bürgermeister leider ins Wasser gefallen. Die ersten fahren los und ab nun wird am Parkplatz um jeden Zentimeter gekämpft. Eigentlich geht’s um nix, aber wenn das Benzin im Blut zur Wallung gebracht wird, gibt es keine Vernunft mehr.

Wir erkämpfen uns eine gute Position und ab der ersten Ampel geht es im Polizeikonvoi aus der Stadt. Die erkämpften Zentimeter sind somit wieder sinnlos geworden.

Beim Kreisverkehr fahren alle rechts nur wir nicht. Teamchef und Meisternavigator Gogo hat sich bestens vorbereitet und wir fahren als einziges Team in die andere Richtung. Ob das wohl gut geht?


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Da wir heute noch einen Canyon durchfahren sollten, wollen wir unbedingt noch einen Abstecher zur Glasplattform des selbigen machen. Es hieß der Canyon ist sehr eng und es wird zu Staus kommen und somit wählen wir noch diesen Abstecher und wollen uns absichtlich zurückfallen lassen, damit wir mit unseren Boliden freie Fahrt haben. Soweit der Plan. Dass alles ganz anders kommen würde war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst.

20160518_102040 Nach einer halben Stunde waren wir endlich dort. Die Plattform hat einen gläsernen Boden und fällt einige 100m senkrecht ab. Der Canyon ist der 2.längste der Welt und wir sind tief beeindruckt.

20160518_101450Toni überwindet seine Höhenangst indem er ein fröhlich Lied trällert – Oh mein Papa – war eine wunderbare Clown… und somit nicht an seine Angst denkt. Auch Andi ist nicht frei von der Höhenangst und schlurft über die Plattform. Gogo und Klaus haben Ihren Spaß. Nach 20 Minuten beschließen wir die Anfahrt in den Canyon in Angriff zu nehmen.

Es sollte inzwischen genug Zeit vergangen sein um halbwegs frei durch den Canyon zu fahren. Ein Highlight unserer Reise. Wir nehmen unser Roadbook und da gibt es einzelne Bilder nach denen wir uns richten sollten. Der Einstieg ist dank Gogo schnell gefunden und wir sind erstaunt, dass uns die Leute am Straßenrand so komisch ansehen. Da sollten ja eigentlich schon 150 Autos durchgekommen sein. Aber wahrscheinlich liegt es an unserem unglaublichen Sound des schwarzen V8 Motors.

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Wir winden uns immer höher hinauf und sind schon etwas verwundert, dass wir überhaupt kein anderes Team auch nur in der Ferne sehen. Hat uns unser Abstecher zum Canyon wirklich so viel Zeit gekostet? Was solls, die  Straße wird immer mehr zur Offroad Strecke und Gogo nimmt auf unserem Stuhl am Dach des Jeeps Platz und filmt ein paar wunderschöne Sequenzen. Es beginnt zu regnen und irgendwann hat auch Gogo die Nase voll und will wieder ins trockene. Da kam uns plötzlich ein Team entgegen. Wir sind verwundert, grüßen uns freundlich und fahren weiter. Die haben wohl die Strecke andersrum genommen. Auch eine Möglichkeit.

Die Strecke wird ein wenig ruppiger, jedoch mit unseren Jeeps kein Problem.  Ein wenig erstaunt grübeln wir wie die anderen mit den „normalen“ Autos so einzelne Passagen gemeistert haben.

Bei einer kurzen Pause kommt uns die Erleuchtung. Wir müssen ganz, ganz vorne sein. Dies ist des Rätsels Lösung. Team 25 hat Dank Gogo zugeschlagen. Mit dieser tollen Erkenntnis beschließen wir ein Motorhauben Frühstück einzulegen. Hier kommen wieder die verschiedenen Charaktere zum Vorschein. Gogo und Klaus können die Autos natürlich nicht normal am Wegesrand abstellen. Nein, sie müssen windschief einen steilen Hang nach oben abgestellt werden. Toni gefällt dies gar nicht. Als auch noch bei der Jause der Inzerstofer Rauchaufstrich nicht auf der Motorhaube abzustellen war weil wir so schief standen, reicht es Toni. Er packt sich den Schlüssel des Roten und stellt Ihn gerade hin. Dose steht, Toni kann weiter essen und der Tag ist gerettet.

Plötzlich da ein zweites Team. Endlich ein Team, das auch in unsere Richtung fährt. Da Sie sowieso nicht überholen können, laden wir Sie auch zu unserer Jause ein. Team 9 aus Deutschland nimmt dankend an und wir teilen unsere letzten Vorräte. Auch Sie haben kein anderes Team gesehen und sind etwas verwundert.

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Klaus kommt das alles sehr verdächtig vor. Wir fahren weiter und schon kurz danach werden wir von Polizisten aufgehalten und auf einen Parkplatz geleitet. Wir haben es tatsächlich geschafft, wir sind als erster im Ziel angekommen. Aber als erster von was?

Klaus verbindet sich via Internet mit dem Livetracker und sieht das fast kein Team diese Strecke gefahren ist. Die meisten sind unterwegs nach Süden Richtung Pamukalle. Sonderbar.

Ein weiteres einzelnes Auto der Ralley kommt daher und der kennt die Wahrheit: Irgendwie haben wir nicht mitbekommen, dass wir dem Polizeiconvoi folgen sollten, der fuhr zu einem Teil des Canyons der nur einige KM lang war und das war es. Die Chinesenralley, die wir gefahren sind haben sich die meisten Teams aufgrund des Wetters gespart und die meisten wollen so schnell wie möglich ans Meer. Unser vermeintlicher Sieg bestand aus 3 Mannschaften,wobei eine in  die verkehrte Richtung  fuhr und ein 2tes, das tatsächlich hinter uns war.  Sensationelle Leistung.

Wir nehmen mit unseren Freunden Team Vrwäga telefonisch Kontakt auf. Ihr 2.  Auto lahmt schon sehr und Sie haben gleich die Reise nach Süden Richtung Ziel angetreten. Wir beschließen, dass wir gemeinsam die Nacht am Meer verbringen wollen. Sollte Lukis Auto halten, suchen Sie einen Platz aus und wir kommen nach.

Am Weg nach Süden kommen wir in Pamukalle vorbei. Das können wir uns nicht entgehen lassen. Schon von weiten sind die weißen Kalkfelsen, die auch zum Unesco Weltkulturerbe gehören, zu sehen.

20160518_164422Wir parken und nachdem wir unseren Eintritt bezahlt haben, müssen wir unsere Schuhe ausziehen um den Weg hinauf über die weißen Felsen beschreiten zu können. Toni hat nicht so viel Freude damit und sorgt sich über die Temperatur auf dem Felsen.

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Hilft aber nix, wer seine Schuhe nicht auszieht kommt nicht nach oben.Wir wandern über weiße Kalkterassen und können es nicht glauben wie viel Schönheit Mutter Natur im Stande ist zu schaffen.

Oben angekommen kann man eine vergessene Stadt besichtigen in der auch schon unter anderem Apollo verweilt haben soll. Auch ein Thermalbad befindet sich hier oben und wir sehen auch schon das ein oder andere Team dass sich diesen Luxus gönnt. Recht so.

Wir sind aber in Eile wollen wir bei Dämmerung noch das Meer erreichen. Es geht sich nicht aus und nur Dank der tollen  Beschreibung von Kathi konnten wir Team Vrwäga finden. Ein toller Platz direkt am Meer. Danke Toni für die tolle Gulaschsuppe die du für alle aufgewärmt hast. Eine warme Mahlzeit ist schon etwas Feines.

Team Vrwäga demontiert Ihren Holzdachträger und somit ist auch das wärmende Lagerfeuer gesichert.

20160518_225534Klaus kann es nicht lassen und stürzt sich in die Fluten. Welche Wohltat für Ihn und auch für uns….:-)

Am Lagerfeuer spielt Klaus Gitarre und es wird auch gesungen. Zack bam bim – ein Lied aus Klaus’s letzter CD. Danach musste die Gitarre als Brennholz herhalten, da das Dachträger Holz schon aus war. War eh nur eine 20 € Gitarre, die ich mir vor 10 Jahren beim Baumax gekauft habe – und einmal im Leben muss ein Mann eine Gitarre verbrennen. Die andern sehen das genau so.

Mit welch einfachen Mitteln kann das Leben schön sein. Eine Flasche Raki macht die Runde und der eine trinkt etwas mehr und der andere ein wenig weniger.

Alle kriechen in die Autos. Klaus schläft draußen auf der Matratze im Schlafsack. So kann er einfacher die wilden Tiere von uns fern halten.

 

 

2 Responses to Canyon, Kalk und Feuer – TAG 19, 490 km, Gesamt: 8151
  1. Vielen Dank für die humorvollen und anschaulichen Reiseberichte. Ich musste immer herzlich wieder darüber lachen, denn sie waren so köstlich zu lesen. Schön, dass Ihr es geschafft habt und wohlbehalten am Ziel angekommen seid!
    Ich wünsche Euch eine gute Heimreise und ein schnelles Einleben in den (wahrscheinliche nicht so ereignisreichen) Alltag.
    Herzliche Grüße aus Deutschlands Norden (Bremen) sendet Euch

    M. Beichter

  2. Klasse Kommentar !
    Ihr seid eine Tolle Truppe !!


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