Das Schlafen wieder einmal im Hotel war ausgezeichnet. Feudales Frühstück um 7:30. Alle sind pünktlich. Nur der Kaffee nicht. Es gibt keinen. Tschai Tschai Tschai. Immer nur Tschai. Schwarzer Tee. Sehr bitter. Ohne Zucker ungenießbar. Ja was soll denn das? Da bringen uns die Türken den Kaffee und haben dann vergessen noch welchen hier zu lassen. Das passt irgendwie nicht zusammen. Aber Tschai wird hier immer und überall getrunken. In der Früh und am Abend. Von Jungen und von alten Menschen. Wir gewöhnen uns nicht so schnell daran.

Erster Checkpoint heute die Schule, in der Burhan – ein OK Mitglied – vor ca. 30 Jahren gegangen ist.

Wir sollten dort um ca. 13:00 sein.

20160515_115800Da wir bereits um 9:00 weg kommen haben wir noch etwas Zeit. Wir fahren an einen See. Hier kommen unsere verschiedenen Charaktere wieder einmal so richtig durch. Es wird am Nachmittag noch extremer werden.

Thema Offroad:
Gogo: Am liebsten immer Offroad, langsam über Stock und Stein
Toni: Nicht unbedingt Offroad, findet es gut wenn die Fahrzeuge heil bleiben und wir mit unseren Jeeps an Plätze kommen, die wir mit anderen Autos nicht erreichen könnten
Andi: Offroad soll Trial Fahren sein, langsam über Stock und Stein, Geschicklichkeit, Gefühl
Klaus: Weder Material noch Mensch wird geschont, Vollgas, Driften, wer bremst verliert

Tja. Das sind ja gute Voraussetzungen für eine optimales Teamplay außerhalb der asphaltierten Straßen.

Wir beigen also von der Schnellstraße ab. Gogo im Schwarzen, Toni im roten. Klaus mit der GoPro draußen zum Filmen. Andi als Beifahrer von Toni. Der Weg sehr unwegsam – kann ein Weg unwegsam sein. Natürlich – es kann ja auch ein Mensch unmenschlich sein. Aber ein Tier untierisch?

Ist jetzt egal.

Klaus verliert die Jeeps durch die Filmerei aus den Augen – nicht aus den Ohren.

Hier bewährt es sich wieder einmal, dass der Auspuff runter gefallen ist. Der Sound ist weithin hörbar. Sie kommen hinter einem Hügel wieder runter zum See. Klaus nimmt den direkten Weg durchs Gelände. Gogo ist in seinem Element. Der Jeep kämpft sich durch. Andi im Roten ebenfalls. Toni freut sich auf den See und die schöne Flora.

20160515_115204Gogo findet eine Tropäe – Kuhtotenkopf und Kuhoberschenkel – neuer Jeepgrill – geile Show

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Toni findet seltene Pflanzen und Bäume – geile Show

Andi hilft beim der Kühlergrillmontage – Geile Show: Na – jetzt haben wir unseren Schwarzen auf gepimpt – aber nicht mit Kinderreien – nein – mit was richtige Männer…

Klaus geht nackt baden – Geile Show

Wir bleiben für ca. 30min am See. Wunderschön. Was aber dann passiert wird ein ewiger Moment bleiben.

Klaus steigt in den Schwarzen und fährt damit zurück auf die Straße. Ganz normal, wie man laut Klaus’s Definition Offroad fährt. Das passt aber dem vernünftigen Teamchef nicht: Viel zu schnell für Offroad. Gogo daneben hält ihm eine Moralpredigt, die sich gewaschen hat: Wenn du mir die Reifen ruinierst, weil du Offroad viel zu schnell fährst und damit die Reifen zerschnitten werden, ruinier ich Dich. Punkt. Ernst gemeint. Klaus schmunzelt und gibt Gas. Ned so schnö hawara. I sog das waunst ma du unsa Auto ruinierst. Klaus bleibt stehen. Die Radkostn z’schneidn ma d’Reifn Oida – kapierst du des ned. Klaus schmunzelt und gibt Gas. Vollgas. Gogo schäumt vor Wut. Echt.

Es geht weiter Richtung der Schule von Burhan. Wir verlassen die Hauptstraße. Schotterstraße für 10 km. Rallyemodus. Halboffroad. Klaus singt „Drifting is so cool“ – im Orginal “Twisting by the pool” – von den Dire straits. Es staubt. Es schlaglöchert. Der Jeep und Klaus schweben.

Andi und Toni im roten mit leichtem Rückstand.

20160515_130040Wir geben unsere Schultaschen wieder ab. Fröhliche Kinder. Gute Stimmung. Gutes Gefühl. Ein anderes Team hat allen Kindern ein iPad geschenkt. Wir finden das grundsätzlich gut – bedenken aber, dass dafür auch die notwendigen Lehrkräfte zur Verfügung stehen müssen.

Dann geht’s los. Wir finden ein seichtes Wasserbett. Gogo dreht wieder mal durch. Keine Schonung von Material und Mensch. Speed. Offroad im Schotterbett eines kleines Flusses. Die Karosserie zerschneidet die Reifen. Vollgas. Drift. Wasserspritz.

20160515_191600Er nimmt noch einige Mädchen der anderen Teams mit und dann auch noch 2 türkische Einheimische, die das spektakuläre Treiben ebenfalls mit Staunen verfolgt haben. Der echte Gogo ist erwacht. Klaus schmunzelt. Seine innerliche Prophezeiung ist schneller eingetreten als erwartet. Was für eine Genugtuung. Wie ernst kann man nun noch irgendwas nehmen, was der vernünftige Teamchef von sich gibt? Haha. Gogo. Haha. Wir werden darüber ein Leben lang schmunzeln. Klaus startet den roten Boliden und ist auch in seinem Offroadelement. Vollgas.

offoradToni ist in der Zwischenzeit komplett zusammengefallen. Die Autos. Das Tempo. Der Staub. Er hat einen Durchhänger: Ich brauche das nicht so Wua wua wua – offroad wua wua.

Andi meint noch: Das wäre doch gelacht, dass da nicht ein Auto kaputt werden könnte. So richtig kann er sich mit diesem wilden getue für kleine Jungs nicht anfreunden. Dazu ist er auch viel zu besonnen. Gottseidank haben wir auch 2 vernünftige Teammitglieder. Wer weiß, wie sonst alles ausgegangen wäre.

20160515_141618Wir geben dem Team 6 noch Starthilfe mitten auf der Schnellstraße. Ihre Lichtmachine hat sich verabschiedet und sie haben keine Starterkabeln. Das kann uns nicht passieren. Alles doppelt und noch mehr. Dem Motto gerecht werden: Höffn Foan

eiskaffeeSivas – angeblich die schönste Stadt der Türkei. Toni ist ganz aufgeregt. Wir schlendern durch, gehen Essen und finden doch auch noch ein Kaffeehaus. Für Gogo und Klaus sogar mit einem Eiskaffee

Eine schöne Stadt. Leider viel zu wenig Zeit sich diese anzuschauen. Das ist eines der Dinge, die wir generell an der Rallye bemängeln. Wir durchfahren so schöne Landschaften und Städte. Da sollte eigentlich mehr Zeit für Sightseeing eingeplant werden. Aber es ist ja eine Rallye. Es dabei allen Recht zu machen ist unmöglich.

20160515_161740 20160515_162254Am Weg zum Auto setzt der Muezzin mit seinem Gesanggebet direkt neben uns ein. Für unseren Musiker Klaus gibt es kein Halten mehr. Er muss in die Moschee um zu schauen, wer denn da so singt und wie das abläuft.

Es sind nur Männer in der Moschee. Man muss bereits am Eingang die Schuhe ausziehen. Es gibt einen Vorbeter. Das Volk antwortet. Ähnlich wie bei einer katholischen Messe. Es fühlt sich stimmig an und wirkt nach einem echt gelebten Glauben. Der Muezzin ist nicht sichtbar. Der sitzt vermutlich in einem anderen kleinen Kammerl.

Klaus’s Teamkollegen halten sich für eine Notfallsaktion bereit: Sie trauen Klaus zu, dass er dem Muezzin das Micro aus der Hand reißt und den Höffn Foan Song anstimmt. Sie trauen Klaus alles zu. Was haben die bloß für eine Meinung von ihm?

Danach geht’s flott dahin. Toni wird wieder unruhig. Bald haben wir unser heutiges Ziel erreicht. Kappadokien. Toni war bereits einmal mit seinem Vater hier und ist noch immer total begeistert von der Landschaft. Das ist was für große Jungs.

Es wird bereits finster. Toni sucht uns ein wildes Quartier. Das Camp wollen wir heute meiden. Er findet einen tollen Platz an einem Flussbett: Hier haben wir eine super Aussicht in der Früh. Gogo richtet die Autos noch nach Mekka aus. Wir beplanen. Es beginnt zu regnen. Wir beginnen zu grillen.

Die vorarlbergerischen Vrwägas kommen zu uns. Es schüttet. Es wird wieder ein wirklich lustiger Abend. Luki sagt irgendwas. Keiner von uns hat das verstanden. Er soll den Satz auf Hochdeutsch sagen. Er kann nicht Hochdeutsch. Er schafft es erst nach ca. 15 Versuchen: Diese Nüsse sind auch im Müsli drinnen. Uns tut am nächsten Tag noch der Bauch vor lauter Lachen weh.

Gute Nacht. Hahaha.

 

One Response to Für kleine und große Jungs – Tag 16, 598 km, Gesamt: 6818 km
  1. Heute melde ich mich wieder zu Wort weil es bei euch so spannend zu geht. Ja Ja wer unseren Klausi kennt weis das er vorher schon viele Leben gehabt hat uns so lotet er im Jetzigen Leben alles aus….. und recht hat er denn die meisten Menschen möchten es gerne aber können und trauen sich nicht. Es ist so super weil ihr Burschen so toll zusammen passt und ich wiederhole mich Einer für Alle…Alle für Einen so ist es bei Männern die sich mögen. Ich wünsche Euch noch viele Spannende Erlebnisse ……auch mit Klaus,
    aber kommt gesund wieder Heim.
    Renate der Schwiegertiger vom Rallye Klaus


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