20160514_053933Tagwache im Empfangsbereich von Radio Erewan wieder einmal um 5:30. Klaus weiß nicht warum so bald. Toni hat in dieser Nacht einen Rekord gebrochen: er musste 4 Mal aufs kleine Häuschenl. Daher auch für Gogo eine 4malige Schlafunterbrechnung. Die beiden sind noch immer ein Paar. Andi hat trotz einiger Bedenken wegen dem Standort dann doch sehr gut geschlafen. Einzig Klaus’s Solokonzert hat er zur Gänze munter bewundert.

20160514_055448Zu Beginn gleich das totale Fiasko. Der Kamm unserer Prinzessin ist gebrochen: Ojemine. Wie werde ich mich von nun an frisieren können. Die anderen denken: Werden wir einen Unterschied merken?

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWir verlassen den genialen Palast und tauchen ein in das wilde Kurdistan. Der Ararat gibt sich noch immer bedeckt. Was soll‘s. Darauf warten, dass er seinen stolzen schneebedeckten Bergkamm zeigt könnte Stunden dauern. Auch Toni nimmt es relativ gelassen.

Jeder Nationalpark in Amerika oder Europa wäre überhäuft mit Menschenmassen. Hier verstaubt alles. Und das ist auch gut so. Die Natur bleibt so viel authentischer und ruhiger. Man kann die Jahrhunderte hier zählen.

Der Schwarze zeigt ein Problem an: Kühlmittel nachfüllen. Bereits seit 2 Tagen. Aber Gogo hat das nicht beunruhigt. Die Außentemperaturen von 6-12 Grad reichen für die Kühlung des Motors sagt er. Es ist immer gut, wenn der Teamchef auch die technische Kompetenz über hat. Wir füllen trotzdem was nach.

20160514_1012179:00: Wir trinken einen ausgezeichneten Tschai in einer so richtig typischen türkischen Tschaibar. Mittlerweile verstehen wir schln alles, was die Einheimischen hier erzählen. Die Sprache wird anscheinend über den Tschai gelernt.

12:00: Noch 2 Stunden bis zum heutigen Checkpoint. Die Landschaft noch immer grandios. Beim Roten leuchtet ständig die Handbremsenleuchte. Wir kontrollieren die hinteren Bremsen. Sind nicht heiß. Professionelle Analyse von Andi: Der Schalter muss defekt sein. Keine Beunruhigung also. Wichtig wäre nur, dass die Handbremse noch zieht. Tut sie aber nicht. Wozu brauchen wir in diesen Flachgegenden mit nur ca. 2000m hohen Pässen eine Handbremse. Abstimmung im Team: Wir fahren weiter. Handbremsenbremser sind Bremser.

 

20160514_125008Wir suchen uns eine geniale Ausfahrt in die Berge um dort unseren Tisch für eine gute Jause aufzustellen. Klaus sucht noch ca. 10 min einen idealen Umkehrdrehplatz für den Roten. Es ist ja so schwer eine Umkehrmöglichkeit am Berg zu finden. Er kommt sichtlich euphorisch zurück: Rallyemodus.

Andi hat beim Bremsen zur Ausfahrt Ungereimtheiten mit der Bremse festgestellt. Der Wagen braucht den doppelten Bremsweg. Das klingt jetzt dann nicht mehr so gut. Das Lamperl leuchtet also nicht umsonst. Es gehen nur mehr die beiden vorderen Bremsen. Der Behälter der Bremsflüssigkeit beim hinteren Bremskreis ist leer.

Wer ist da wieder einmal Schuld?
Gogo meint Schuld ist der Klaus, weil der gestern so wild im Canyon gefahren ist.
Klaus meint Schuld ist der Andi, weil sie bei ihm nun kaputt geworden ist.
Andi meint Schuld ist der Toni, weil sie bei ihm als letztes noch funktioniert hat.
Toni meint Schuld ist der Gogo, weil er damals das Auto mitausgesucht hat.
Gogo meint Schuld ist der Klaus, weil das Auto jetzt seit 3 Monaten auf ihn angemeldet ist.
usw.

Wir einigen uns letztendlich auf Gogo. Er ist der Teamchef und damit Schuld an allem.

DSC01295Wir jausnen noch so richtig gemütlich am Berg oben. Gogo schneidet die Radverkleidungen noch herunter. Die sind so lästig beim Offroadfahren und zerschneiden unsere Reifen. Optisch natürlich auch eine gewaltige Verbesserung.

Danach suchen wir uns gleich eine Werkstatt. Andi beginnt in flüssigem Pantomime zu erklären, welches Problem wir haben. Es hat schon einen Sinn, wenn man in seiner Jugend viel Aktivity gespielt hat. Der Mechaniker erkennt sofort das Problem. Er füllt Bremsflüssigkeit nach. Leider kann er aber den Schaden nicht reparieren. Er erklärt zwar warum – aber uns kommt das alles sehr türkisch vor.

20160514_160526Er gibt uns noch die Adresse der nächsten Werkstatt die das reparieren könnte – wenn wir das richtig gedeutet haben.

Wir fahren so die letzten 100 km nur mehr mit funktionierenden Vorderbremsen bis Erzincan.

Dort angekommen sieht Andi eine VW Werkstätte, was soll uns schlechteres passieren! Wir steigen aus und sofort kommt ein netter Türke, der sogar ein paar Brocken Deutsch und Englisch spricht, auf uns zu. Sofort stellt sich heraus, dass der handgeschriebene Zettel keine Adresse sondern die Problembeschreibung war. An dieser Stelle muss wieder einmal erwähnt werden wie freundlich und hilfsbereit die Menschen in diesem Land sind.

Wie immer sind wir gleich von mehreren Leuten umringt, die sich des Problems annehmen. Es wird viel und auf vor allem auf türkisch geredet und gestikuliert und wir verstehen außer Bahnhof nicht viel. Nach 5 Minuten die analytische Diagnose seitens unserer türkischen Freunde: Sie können uns nicht helfen, aber es bietet sich einer an, der mit uns in den Autopark – einer Ansammlung von allen möglichen Werkstätten – fährt!

Ja wie wo was. Wir haben nur 4 Sitzplätze und nun einen Passagier mehr. Kein Problem. Toni haut sich hinten rein. Nach 100 m eine Polizeikontrolle. Toni versteckt dich. Toni versteckt sich nicht. Da könnte er ja was versäumen. Wir können passieren. Es werden Terroristen gesucht. So schlimm schauen wir noch nicht aus. Nicht lustig.

Wir kommen in den Autopark und der erste sieht sich unser Problem an. Es wird geschraubt, es wird gestikuliert, es wird, nachdem wieder 3-4 Leute aus dem Nichts aufgetaucht sind, diskutiert und nach einer ¼ Stunde auch hier wieder die fachmännische Diagnose geliefert: Wir können leider nicht helfen aber er kennt jemanden! Wir fahren zur  nächsten Werkstätte und weiter zur nächsten und weiter zur nächsten und weiter zu nächsten! Irgendwie scheint es, dass Sie unser Problem nicht lösen können!

20160514_095942Doch wir wären nicht im Land des chaotischen Selbstversorgertums, wenn wir nicht doch noch eine Werkstatt gefunden hätten! Eine 1 Mann Werkstatt aus der ein ölverschmierter Mann hervorkommt! Der sogenannte Range Rover Spezialist! Er ist kein Mann großer Worte, sondern hebt das Auto an und erkennt bald unser Problem. Wie immer sind innerhalb kürzester Zeit 3-5 Leute aus allen Himmelsrichtungen da, und wir erklären Ihnen – in welcher Sprache auch immer – was wir hier gerade machen! Andi kann mittlerweile die meisten Sprachen.

20160514_165058Mit dabei ist Ali, der auch Deutsch spricht. Er hat 20 Jahre in Deutschland gelebt! Er erweist sich als Glücksfall für uns, indem er uns die Gesprächsführung mit dem Mechaniker übersetzt! Gogo und Ali sind sofort beste Freunde und tauschen sofort die Telefonnummern aus.

20160514_140206Die Bremsleitung ist undicht! Er baut Sie aus und Andi muss eine neue kaufen! Andi hetzt wie ein Dauerläufer hinter dem Mann den halben Platz hinterher zum Ersatzteillager! Eine neue Bremsleitung wird gekauft – doch dann ein neues Problem: Die Schrauben passen nicht dazu! Aber  wir sind in einem Land, in dem unpassendes passend gemacht wird! Irgendwie stellen sie mit einem Gewindeschneider einen neuen Schrauben her. Kosten unglaubliche 10 Teelöffel (TL – Türkische Lira)!

Andi rechnet im Kopf kurz einmal nach, was das in Österreich gekostet hätte…..

Das neue Teil wird eingebaut und alles funktioniert wieder! Kostenpunkt unglaubliche 70 Lira für 1 ½ Stunden Arbeit – umgerechnet ca. 23 Euro! Der Controller ist mehr als zufrieden! :-)

20160514_140738In der Zwischenzeit war auch der 2. Teil unseres Teams nicht untätig und hat ein Hotelzimmer in der Stadt und Efes organisiert. Und außerdem haben sie bereits in der Früh in einem Geschäft etwas seltsames eingekauft. Etwas sehr geheimnisvolles, dass wahrscheinlich mit unserer Pimp-My-Jeep challenge zu tun hat! Sie schmunzeln und tuscheln und auch Gogo und Andi haben Ihren Spaß daran das Klaus und Toni sich so freuen! Und tatsächlich. Sie montieren einen Klobesen auf den roten. 2:0. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Klaus und Toni sind begeistert – Andi und Gogo auch: Damit sind unsere Chancen wieder gestiegen. Wir werden sehen was da noch alles auf uns zukommt.

Das Hotel ist einfach aber sauber und nach einer kurzen Dusche machen wir uns auf den Weg ins Hamam ! Die Geruchsbelästigung für die anderen Gäste wäre zu groß gewesen.

Wir bekommen Badehosen zugeteilt und erfreuen sich an einer zusätzlichen Erneuerung, die wir in Istanbul nicht hatten: Ein kleiner Pool mit einer Wassertemperatur von gefühlten +50 Grad. Frisch gekocht schrecken wir uns mit kaltem Wasser ab. Heute Jetzt erahnen wir, wie sich ein Fisch beim Kochen fühlen muss….

20160514_194334Klaus hat auf dem Weg ins Hamam noch 2 weitere Pimp-My-Jeep Gimmicks ersteigert: Einen Spongebob und einen Kawasatschi Heliumballon. Voller stolz trägt er Sie auch ins Hamam hinein. Der Badechef deutet immer Bambini Bambini. Nein deutet Klaus – das sind ganz alleine meine. Der Badechef kann das nicht verstehen. Bambini Bambini.

Im Hamam sind auch einige Jugendliche. Sie sprechen perfektes English und erklären uns, dass in der Türkei mittlerweile flächendeckend Englisch unterrichtet wird. Das Gefühl haben wir nicht.. Wir denken, dass die jugendlichen eher einer elitärer Familie entstammen.

20160514_190848_001Nach ca. 2 Stunden Badespaß sind wir wieder porentief sauber und Essen heute einmal in einem Kebabladen!

Klaus hängt seine beiden Ballons an ein Fahrzeug. Der Kellner: Bambini Bambini. Warum dürfen hier Männer kein so schönes Spielzeug haben.

20160514_205552Da Toni und Andi schon aussehen wie 2 alte Seebären und Klaus sich weigert sich bis zum Ende der Reise zu rasieren (ob wir bei langsamen seinem Bartwuchs überhaupt am Ende etwas sehen?) gehen die beiden zum Bartschneider! Unsere Ankunft im Geschäft wird mit vielen türkischen Worten bedacht, die jedoch bei Toni und Andi nur großes Erstaunen auslösen!  Im 8 m² Geschäft sind anscheinend 2 Friseure beschäftigt, wobei sich der erste gleich über Toni hermacht. Er wird eingeseift und mit der neuen Klinge geht es Tonis Bart an den Kragen!

Andi hat inzwischen einen neuen Best Friend der versucht per Telefon mit einem Türkisch/Englisch Übersetzer zu kommunizieren!

Inzwischen sind 2 zusätzliche Friseure im wie gesagt 8 m² Geschäft aufgetaucht und nun arbeiten zwischenzeitlich 4 Mann in diesem Geschäft! Sehr effizient wie Toni und Andi finden!

Andi an der Reihe. Als er mit der Rasur fertig ist, findet der Friseur, dass er die Koteletten anpassen müsste. Doch irgendwie findet er danach, dass der Hinterkopf nicht mehr zu den zurechtgestutzten Koteletten passt und danach, dass das Haupthaar nicht mehr zum Hinterkopf passt. Somit bekommt Andi auch gleich einen neuen Haarschnitt verpasst! Dieses Land und Ihre Menschen sind wirklich immer für Überraschungen gut!

Toni hat inzwischen Andis Best Friend übernommen und erweist sich als wesentlich austauchfreundlicher als Andi! Toni redet in verschiedenen Sprachen und seine Hände zeigen von oben nach ganz unten und alle Beteiligten im Geschäft lauschen seinen Ausführungen! Apropo: zum Schluss überreißt der Telefon-Handy Türke, dass wir nicht aus Australien kommen sondern aus Austria! Er ärgert sich, dass er nicht den Türkisch-Deutsch Übersetzer genommen hat…J

Nach unzähligem Händeschütteln und 1.000den Schulterklopfern verlassen die beiden das Geschäft!

Kurz vor unserem Hotel treffen sie Gogo und Klaus auf einer Stiege sitzend. Wir trinken noch ein Gute Nacht Bier und gehen anschließend schlafen.

Dieses Land und Ihre Leute haben uns heute wieder einen unvergesslichen Tag beschert und wir sind schon neugierig was uns der Morgige bringen wird!

One Response to (1)40 Wagen westwärts – Tag 15, 552 km, Gesamt: 6220
  1. Lieber Klaus, und ihr Anderen, ich verfolge fast täglich mit Spannung Eure Berichte und bin tief beeindruckt von Euren Bildern und Euren Geschichten. Ich wünsche Euch weiterhin alles Gute und soviel Glück wie bisher. Passt gut auf Euch auf. Liebe Grüße aus der Heimat Silvia


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