20160513_082737Der Kaffee ist fertig. Toni singt Klaus ein Ständchen. Er ist gut gelaunt. Heute kommen wir zum Ararat – einem 5000m hohen Berg mit viel Geschichte. Angeblich soll Noah mit seiner Arche an diesem Berg gestrandet sein. Hier ist das neue Zeitalter angebrochen. Hier startete die jetzige Welt. Für Toni wird es epochaler Moment sein wenn wir beim Fuß des Ararat angekommen sind.

Der kalte Wind pfeift dabei durch die Plane. Andi geht es heute nicht so gut. Er hat Kopfschmerzen und fühlt sich Crokkie.

K: Ich sehe schon wieder keine Bäume mehr. Wieder die ganze Nacht gearbeitet?
A: Nein, zu wenig getrunken.
K: Kann ich dir Nachhilfe zu geben.
Andi bedankt sich für die kameradschaftliche Geste mit einem Augenverdrehen und lehnt das Angebot komischerweise ab. Klaus geht es ausgezeichnet. Gogo ist schon am Berg. Andi sieht, dass ihm ein Hund Gesellschaft leistet. Gogo liebt Hunde. Wo ist das Wursti?

Klaus kommt auch hoch – er muss diese Landschaft und Aussicht noch einmal beglücken.
Viele Leser merken an dieser Stelle schon – es ist und bleibt ein sehr zentrales Thema.

Wir starten um 9:00 Richtung Süden. Wir bringen in das Heimatdorf von Nadir – einem Mitglied des OK Teams – Schultaschen. Die Schultaschen haben wir von der Rallye bekommen. Den Inhalt von Team Nr. 84. Sie waren gestern noch auf ein Bier bei uns. Ein gutes Tauschgeschäft. Dankeschön.

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Das ganze Dorf ist im Aufruhr als ca. 140 Autos mit 280 Teilnehmern den Ort unsicher machen. Ein kleines vergessenes Kaff am Rand der Welt. Keine asphaltierten Straßen. Durch den Regen verdreckte kleine Gassen. Verfallene Häuser. Eine halbschöne Schule Eine wunderschöne Moschee. Moscheen werden über sehr viele private und arabische Spenden finanziert. Die Bevölkerung leistet ihren Arbeitsdienst. Der Glaube ist hier sehr wichtig – daher legen sie auf edle Gebetshäuser sehr großen Wert.

Die Kinder kommen klassenweise heraus und bekommen von uns die Schultaschen überreicht. Wir denken, dass einige damit komplett überfordert sind. Die meisten aber strahlen über das ganze Gesicht. Auf die ländliche Ruhe folgt ein kurzer intensiver Sturm. Nach 2 Stunden ist der Spuk wieder vorbei. Die Dorfidylle wird wieder eingekehrt sein. 20160513_111838Die Schultaschen werden begutachtet und die Spiele ausprobiert. Wir haben wieder einen kleinen Teil dazu beigetragen, dass hier Bildung und damit bessere Lebensaussichten möglich sein werden. Wenn auch nur im kleinen Rahmen. Aber das bisschen, das wir hier gemacht haben, ist besser als nichts zu tun.
Wir verteilen während der gesamten Reise immer wieder kleine Matchboxautos an Kinder die neugierig zu unseren Autos kommen. Viele trauen sich nicht diese zu nehmen. Die kleinen so bis 5 Jahre sind aber sofort da und freuen sich total darüber.

20160513_140612Aus dem geplanten Motorhaubenpicknick wird echter Klippenjaunser. Leichter Regen. Macht uns auch nichts mehr aus. Es ist heute wärmer. 16 Grad. Wir geniessen während des Essens die Aussicht ins unter uns liegende Tal. Der Ararat kommt immer näher. Toni hat bereits deren 4 oder 5 erspäht: Schau dort ist er. Könnte er das sein – ja muss er. Er war es noch nicht.

Heute wird nicht mehr viel passieren. Wir werden noch bis ins ca. 150 km entfernte Dogubeyazit fahren und dort einen Palast besuchen. Klingt eher unspäktakulär.

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Wir kommen bis auf 100 m an die armenische Grenze heran. Und hier im Niemandsland werden wir wieder geflasht. Mittlerweile ist die Landschaft sehr karstig und sandig. Links von uns ein Canyon. Und an dessem Ende eine traumhafte grüne Oase. Unbeschreiblich und auch nicht möglich diese Eindrücke mit der Kamera einzufangen. Sie Sonnenstimmung trägt auch noch das ihre dazu bei. Hier könnte/müsste man stundenlang bleiben um die Eindrücke einzusaugen.

 

 

20160513_151900Was dann passiert ist, ist mit keinem anderen Medium als mit dem Leben selbst zu beschreiben. Wir finden links von uns ein Mini-Ayersrock Gelände. Ideal um durchzudrehen. Geistig und mit den Reifen. Klaus versucht einen Weg hinein zu finden. Toni schlägt die Hände über dem Kopf zusammen – unser Topf unser Topf. 20160513_153442Gogo fährt rein und rutscht dabei leicht ab. Klaus fährt nach. Toni ist knapp davor die Nerven komplett wegzuschmeissen. Wie wir am Abend erfahren werden, ist es ihm heute mental nicht so gut gegangen. Er hat ein kleines Down.

Für Gogo und Klaus das Paradies. Für Andi sehr verhaltene Begeisterung.

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Gogo und Klaus drehen Runden im Sand, fahren die Berge hoch – normal und verkehrt. Driften runter, driften rauf. Graben sich ein. Reizen die Schräglagen aus. Sind erstaunt wie weit es mit dem Low Gang hinauf geht. Für die Technikbegeisterten: Beim Low Gang wird das mittlere Differential gesperrt. Toni meint nur: Ich brauche das nicht. Und außerdem kommt e noch einOffroadteil. Andere Teams bleiben am Straßenrand stehen: Scheiße – warum haben wir nicht auch Jeeps genommen.

Die Vrwäga kommen ebenfalls und spüren – das ist was ganz was großes für diese Rallye. Manuel springt bei Gogo rein. Xsi Gelgelgel. Börni bei Klaus. Gitschau. Drigguffskas. Keine Ahnung was er gesagt hat. Klaus steigt aufs Gas. Das Feuer ist gelegt. War aber nicht schwer.

20160513_154744Manuel versucht danach mit seinem Mercedes ebenfalls in den Canyon zu kommen. Schürf. Kratz. Rumpel. Seine Kathi sieht nicht glücklich aus dabei. Was macht er denn jetzt schon wieder. Muss das sein? Ja es muss sein. Und tatsächlich schafft er es nach einigen Ein- und Ausgrabungen einen Hügel zu bezwingen. Es schaut einfach nur geil aus und lässt uns präpotente Jeep-im-Canyon-das-ist-alles-kein-Problem Fahrer total alt aussehen. Mit den Jeeps kann’s jeder. Mit so einem 20 cm Bodenfreiheitauto ist das aber eine Sensation.

 

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Gogo will noch Kathi und Susi mitnehmen. Klaus schnappt ihm beide weg. Er will auch einmal mit dem Panther und den beiden Katzen. Er sagt nur: Ich liebe mein Leben – und gibt Vollgas. Kreisch. Hihi. Kreisch. Hihi. Bremsen. Uh falsches Pedal. Hohoho. Achtung – jetzt könnten wir eventuell nach links runterkugeln. War ein Scherz. Wann dann nach rechts. Haha. Bleiche strahlende Gesichter.

Zitat Kathi: essittswansinni. Andi: Der Grad zwischen Mut und Dummheit ist ganz schmal.

 

20160513_160200Unser Juniorteam – ebenfalls mit Jeeps unterwegs – versuchen an einer anderen Stelle in den Canyon zu kommen. Sie kommen gerade mal 5 m. Dann ist Schluß. Der erste Jeep rutscht ab, sitzt auf und hängt mit einem Rad in einem kleinen Sumpf. Geile Show. Diese Jungen sind unsterblich und noch frei von Ängsten. Alles wird gut gehen. Andere Teams helfen mit Sandblechen und Abschleppseilen. Es gelingt. Beim Herausziehen krachen sie noch zusammen. Alle freuen sich. Es ist ein Fest.

Nach 2 Stunden müssen wir wieder weiter. Heute wird nicht mehr viel passieren. Eine Palastbesichtigung steht noch auf dem Programm. Toni: Was heute wird noch viel passieren – wir kommen beim Ararat vorbei. Heute ist Weihnachten und Geburtstag gleichzeitig.

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Der Ararat. Toni: Nageh – jetzt is do a Woikn umma. Toni ist begeistert und auch ein klein wenig enttäuscht. Wir sind am Fuße des Ararat – aber leider ist der Gipfel vernebelt. Man bekommt aber einen guten Eindruck von der Dimension des Berges. Auch die Geschichte sieht man. Lavagestein, Lavaebenen, hellbraune Erde. Eine unüberschaubare Hochebene in 2000 m Höhe, die nur durch viel Vulkanasche erzeugt wurde. Und der letzte Ausbruch ist noch gar nicht lange her. Toni schätzt ca. 1.000.000 Jahre. In erdzeitlichen Dimensionen war das erste gestern.

 

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18:00 Ankunft in Dogubeyazit. 80.000 Einwohner
Ein Ort, der ca. 100 km von der iranischen Grenze entfernt ist. Die Straßen und auch das Leben sind hier stehengeblieben. Die Hauptstraße wirkt schon sehr orientalisch. Fast ausschließlich Männer auf der Straße. Kleine Greißlerstände mit Obst, Gemüse, Kebap. Die Straßen sind noch dreckig und schlammig vom Regen. Der Ort wirkt nicht sehr einladend.
20160513_181738Andi und Gogo fahren voraus. Klaus und Toni in einem Abstand hinterher. Am Straßenrand ein Backpacker.. Klaus weiß nicht genau, ob er einer der Rallyeteilnehmer ist. Er bleibt stehen. Der Backpacker: Do you to go up to the camp? Er ist kein Rallyeteilnehmer, Sonst würde er deutsch sprechen. Klaus: Yes – do you want to drive with us? Yes.

Wir haben einen blinden Passagier. Jakob. Mitte zwanzig. 17 Kilo schwerer Rucksack. Cooler Typ. Er kommt aus Prag und reist von Teheran nach Prag nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder per Autostopp. Wir nehmen ihn die 7 Kilometer mit zum Palast und laden ihn auch ein, dass er im Rallyecamp übernachten kann. Er nimmt die Einladung sehr gerne an. Denn was er hier in der Türkei erlebt, hat er im ganzen Iran nicht kennengelernt: Militärfahrzeuge, Soldaten mit der Sprada, Straßensperren. Patroulien. Militärcamps. Er meint, dass er im Iran überhaupt nichts dergleichen gesehen hat. Daher ist ihm die Geborgenheit des Rallyecamps sehr willkommen.

20160513_181836Wir erreichen den Palast. Und es toppt noch einmal alles was wir bisher erlebt haben.

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Der Ishak Pascha Palast. Wir müssen dort das Haremzimmer finden. Bei diesem Palastnamen nicht so schwer. Es gibt deren sehr viele.

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Der Palast und die gesamte Umgebung sind derartig unreal, weil es so etwas einfach nicht auf dieser Welt geben kann. Das Bauwerk selbst, der Standort und die Wetterlage könnten nicht besser zusammenstimmen. Wir bleiben für ca. ein Stunde.

Das Camp liegt 100 m unterhalb des Palastes. Wir beschließen heute nicht dort zu nächtigen – es scheint schon überfüllt zu sein. Und wir wollen heute einmal unsere Ruhe haben. Toni und Klaus haben ein Gelübde abgelegt: Heute kein Alkohol. Sie sind in Ihren Versprechen sehr konsequent. Klaus zu Toni: Unterliegt eigentlich der Zirbm auch dem heutigen Alkoholverbot? Toni kommt nicht zum Antworten. Sofort geben Gogo und Andi fast gleichzeitig Ihren Senf dazu. Eigentlich überflüßig zu schreiben was die Wohl gesagt haben. Alles nur Gequatsche. Klaus wird wütend: Ich habe Toni gefragt. Nach 5 min kommt Toni zu Wort: Der Zirbm ist Medizin. Die einzig richtige Antwort.

An dieser Stelle ein Dankschön an Klaus‘s Chef Robert Mayr: Er hat Klaus extra für diese Reise einen selbstangesetzten Liter Zirbenschnaps mitgegeben. Der hat bisher großartige Dienste vollbracht. Aber wir wollen hier nicht schon wieder über des Zirben präventiver Wirkung schreiben.

Wir suchen uns in der 7 km entfernten Stadt ein Lokal. Einheimisch. Orientalische echte Livemusik. Gutes Essen. Free Wi-Fi. Sisha. SirToni tanzt türkischen Sirtaki. Ein stimmiger Abend.

Kosten umgerechnet: 53 Euro.

23:00 Wir suchen uns beim Palast ein ruhiges Platzerl. Ruhig ist hier gut. Es ist alles ruhig. Wir sind am Ende der Welt. Andi zu Toni: Heute suchst du bitte den Schlafplatz aus. Gogo sagt, dort links rauf wäre es gut. Die Jeeps bitte noch gegen Sonnenaufgang stellen. Der geduldige Toni ist mit allem zufrieden.

Wir legen uns nieder. Nach 5 min kommt ein weiteres Auto. Andi findet das nicht so toll. So in der Einöde knapp vor Mitternacht noch Besuch von irgendjemandem nahe dem Iran und der armenischen Grenze zu bekommen. Das fremde Auto verschwindet wieder in die Nacht. Klaus beschwichtigt und startet mit dem Schnarchkonzert. Heute steht der erste Satz von Claudio Krawallo in Tschai Dur am Programm.

2 Responses to Alles grenzgenial – Tag 14, 353 km, Gesamt: 5668 km
  1. Heute wieder vor lese Stunde. Fernseher aus und die Andacht zu eurem Bericht ist angesagt. Es ist immer wieder schön von euren Erlebnissen zu hören und ganz wichtig ist es…es geht euch Allen wirklich gut.
    Zum Zirbm ist zu sagen hobts recht ..ER is a MEDIZIN. PROST !!!!!!
    Liebe Grüsse Renate

  2. Gratuliere zu euren einzigartigen Erlebnissen……Das hört sich nach dem „wirklichenLeben“ an. Ein alter Herr sagte einmal zu mir: „Wenn dein Leben gut sein soll, fahre in die Ferne und spreche mit fremden Menschen. Trink und lache mit ihnen und höre Ihnen zu…..(…….)…steige auf hohe Berge und schau dich um, und spüre, wie klein alles in Wirklichkeit ist….. (…..)…..und versuche, so viel Spaß wie möglich zu haben…..So viel Spaß wie möglich…..und schreib alles Schöne auf……“usw….
    Ihr macht es eigentlich genauso. ….genießt die letzte Woche…..und lasst uns weiterhin dabei sein….


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