20160507_080525 (Large)Tagwache 5:10. Der Muezzin weckt uns mit seinem Gebet. Wir verstehen nichts und in diesem Moment hält sich auch unser Verständnis in Grenzen. Andere Länder andere Sitten. Unter anderem sind wir genau deswegen hier. Aber um 5:10?

 

Tagwache 7:00. Gogo will einen Biertisch rausräumen. Toni sagt: Nix da. Heute gibt es einen Motorhaubenkaffee. Toni hat sich durchgesetzt. Klaus bekommt einen Heckklappenkaffe serviert. Hat er sich auch verdient.

 

 

Die Aufgaben sind eingespielt – die Kompetenzen verteilt.
Gogo ist für alles zuständig. Glaubt er.
Andi für das Roadbook.
Toni für die Geschichten.
Klaus ist an allem Schuld.

Wir brechen um 9:00 Uhr zum Ortsplatz auf. Der Bürgermeister und der OK Chef halten eine Rede und betonen dabei wie wichtig es ist, den Frieden in die Welt hinaus zu tragen. Wir fahren ihn hinaus.

20160507_095346 (Large)Es geht im Konvoi los. Wir nehmen gleich nach 3 km eine Offroad Strecke. 3 weiter Teams hängen sich uns an. Unsere Bodenfreiheit ist wegen der hohen Jeeps einzigartig. Die anderen Teams haben das nicht. Wird spannend.

Es geht durch wunderschöne Landschaften Richtung Ankara. 100km.

11:00 Wir fahren hinauf zur Zidatelle zu Ankara. Schulparkplatz. Wir werden umringt von Schulkindern. Es ist Samstag. Was machen die hier?


OLYMPUS DIGITAL CAMERAKlaus nimmt sein Fahrrad vom Dach. Eine Sensation. Alle Kinder wollen damit eine Runde fahren. Einer fährt damit sogar bis außer Sichtweite. Kommt er wieder? Na klar. Wir brechen auf zur Burg. Klaus mit dem Rad, die anderen zu Fuß. Ein wunderbarer Ausblick über die Stadt. Toni: „Des is Fleg von ana Stod.“ Wirklich beeindruckend. Wenn man aber bedenkt, dass Ankara „nur“ 4.5 Mio Einwohner hat – wie groß ist dann Istanbul mit Ihren 20 Mio Einwohnern, wenn man die Stadt Gesamt überblicken könnte. Gigantisch.

 

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Klaus lässt es sich nicht nehmen sein Rad die Treppen bis wirklich ganz nach oben zu schleppen.

Er will unbedingt eine Runde am höchsten Punkt der Stadt drehen. Die bewundernden Blicke könnte man auch anderes interpretieren. Wir glauben, da waren noch nicht viele mit dem Rad oben. Ein bisschen verrückt sollte man schon sein, wenn man bei dieser Reise mitmacht. Aber komplett plemplem?

Klaus in Ankara (Large) Andi und Toni sind nicht schwindelfrei. Gogo nötigt sie noch einmal für ein Gruppenfoto auf die Mauer zu kommen. Die beiden Helden folgen brav den Anweisungen des Chefs. Na die hätten sich am Abend wieder was anhören können. X-Factor – Haben wir uns diese Geschichte ausgedacht – ist die frei erfunden, oder hat es sich tatsächlich so ereignet? Jeder der Gogo kennt, kennt die Wahrheit.

Hier der Film.

Aber danach geht’s zu einem der angekündigten Highlights der Rallye: Dem Le Mans Start auf dem Atatürk Kültür Merkezi. Die größe des Platzes gleicht der Landebahn eines Flughafens. Der Gründer der Türkei Atatürk hat sich hier ein Denkmal gesetzt. Im Internet findet man dazu einige Videos der letzten Jahre.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAPlanzeit 13:00. Wir sind pünktlich. Die Autos werden gegummied was das Zeug hält. Heulende Motoren. Es stinkt nach Kupplung. Sogar eine Frau driftet über den Asphalt. In allen ist das Rallyefieber ausgebrochen. Wir kommen uns vor wie bei einem GTI Treffen – wir waren dabei.

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OLYMPUS DIGITAL CAMERAAufstellung der Autos in einer Reihe. Fahrerbesprechung. Aufstellung der Fahrer und Beifahrer gegenüber deren Fahrzeugen in 50m Entfernung. Andi nimmt die Startposition ein – auch die Haltung wird bewertet.

14:30 Countdown 10 9 8 7 6 5 4 3 2 1 LLLLOOOOSSSS

360 Teilnehmer laufen zu ihren 180 fahren Kisten.

Hier der Film.

Klaus erreicht den Jeep durch einen Insidertipp von Andi am schnellsten: Stell dich weitere nach hinten und laufe bei 3 weg. Dann hast du bei LLLLOOOOSSSS schon einen gscheiden Zunder drauf. Massenträgheit ausgetrickst. Welche Massenträgheit.

Tür zu. Schlüssel rein. Der Wagen springt an. Rausfahren. Toni ist nervös. Er fühlt sich wie ein richtiger Rallyebeifahrer. Weiter Links. Achtung Wagen von rechts. Scharfe Linkskurve. Weiter links – da geht noch was. Gas. Bremsen.

Hier der Film.

2 Autos crashen. Es ist so megagail. Go Kart fahren mit großen Kisten. Nach einer Runde und einigen sehr engen Kurven ist der Spuk vorbei. Klaus schwitzt wie ein Firmged. Die Autos stehen wieder.

Noch nicht ganz.

Klaus und Toni haben eine extrageile Driftstelle gefunden. Mit dem 2 Tonnen ABS Jeep ein kleiner Männertraum. 2 Runden. Und dann gehen noch ca. 6. Gas. Kurz Bremsen. Einschlagen. Gas. Bremsen. Um die Kurve rattern. Gas. Über eine kleine Unebenheit springen. Durchschnaufen.

Gogo muss es auch probieren. Das ist Testosteron pur. Durchgestartet. Durchgeschwitzt. Gogo hat alles gefilmt. Wir kommen uns vor wie im Film.

16:00 Wir verlassen Ankara Richtung Nordwesten. Zielentfernung ca. 120 km. Klaus ist noch im Rallyemodus. Kampflinie. Die Hupe streikt wieder. Totalschaden.

Was stinkt da so?

Toni sieht vor uns einen Kleinbus, der extrem raucht. A Gottseidank – wir sind es nicht. Oder doch. Nach ca. 20 km stinkt es noch immer. Der rote kommt nicht über 100 hinaus und zieht total nach links beim Bremsen. Rechts ran.

20160507_161010 (Large)Die hintere rechte Bremse raucht und die Scheibe glüht. Geile Show. Wir haben das Auto voll ausgereizt. Doch was tun?

Bier aufmachen und abwarten und einmal kühlen lassen. Mit dem Hammer eine eventuelle Blockade lösen.

Die Hupe versuchen zu reparieren. Doch leider geht auch die Motorhaube nicht mehr auf. Der Seilzug zieht ins Leere. Geile Show.

Wir fahren weiter. Fühlt sich wieder gut. Gott sei Dank. Wir werden trotzdem eine Werkstatt aufsuchen. Nicht wegen der Bremse – ist nicht so wichtig. Nein. Wegen der Hupe. Das geht gar nicht wenn die Hupe nicht geht.

20160506_203048 (Large)17:45 Einfahrt in die Karottenstadt Beypazari. Gogo und Andi fahren ins Camp. Klaus und Toni suchen eine Werkstatt. Toni hat Luchgsaugen. Dort drüben.

Wir kommen hin und die Mechaniker, die gerade den Kopf in der Motorhaube eines anderen Boliden haben lassen alles fallen und kommen zu uns.

Klaus: Meraba. English?
No.
3 weitere Mechaniker kommen dazu.

Klaus erklärt mit Händen und Füßen, dass die Hupe defekt ist. Wir werden zum Elektrospezialisten gebracht. Uhh Scheiße – die Motorhaube geht ja auch nicht auf.

20160507_174134 (Large)4 Mechaniker kümmern sich darum. Wir haben jetzt bereits Spaß. Einer davon gibt Klaus sein Handy und sagt nur „English“. Klaus erklärt jemandem auf der anderen Leitung das Problem und gibt das Handy wieder zurück. Die Motorhaube geht auf. Die Hupe wird getauscht. Wir werden auf einen Tschai eingeladen.

4 Mechaniker, eine neue Hupe, 2 Tschai, 1 Stunde. Kostenpunkt: 20 türkische Lira. Wir geben 25. Umgerechnet 8 Euro.

Wir haben keine Bedenken wegen des Autos mehr. Wenn die so schnell eine Hupe reparieren können, sollte alles andere ein Klacks sein.

20160507_204014 (Large)20:00 Klaus und Toni erreichen das Camp. Gogo und Andi waren in der Zwischenzeit bei den Nachbarn eingeladen. Wir machen uns Campingfertig mit Plane und Biergarnitur. Kaum sind wir fertig gesellen sich wieder andere Teams zu uns. Klaus und Toni wird das zu viel. Wir gehen alleine nur wir 4 Essen in die Stadt. Es ist gut wieder einmal nur unter uns zu sein. Als Abschluss einen guten Tschai beim WUV (Wirt unseres Vertrauens).  Unser Campingplatz wird in der zwischenzeit als Partyzelt verwendet.

Wir kommen um 22:00 zurück. Ausgezeichnet gespeist. Hühnerwok mit Salatvorspeise. Kein Bier zum Essen. Gibt es hier fast nirgends. Daher brauchen wir jetzt noch eines.

Prost Burschen – a geiler Tog!

23:00 Andi und Toni gehen ins Bett.

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Klaus und Gogo drehen noch eine Runde. Slacklinen. Lagerfeuer. Gitarrespielen. Bruder Jakob in der Hardcode Version – das wird eine der musikalischen Aufgaben werden.

Gogo bekommt noch ein professionelles Barttuning von der Heidi. Sie macht aus seinen 4 Zöpfen einen Zopf. Originalzitiat Heidi: Liewa an gscheidn wia a boa kloane…

Wir haben Spaß.

Gogo geht ins Bett.

Klaus beginnt noch mit dem heutigen Block. Ein weiteres Team gesellt sich zu ihm. Bloggen beendet. Wollt ihr ein Bier?

Es gibt doch so viele wichtige und geile Themen analog zu besprechen.