Tagwache 7:00.

Es regnet und es ist saukalt. Toni kocht uns einen Kaffee und deutet unsere Zukunft: Wir werden alle sterben – aber nicht heute.

Abfahrt 9:00 im Konvoi Richtung Ankara. Distanz ca. 550 km. Wir entscheiden uns für die schnellere Straße damit wir unterwegs einen Offroadabschneider machen können.

IMG_20160508_082737Unser Biervorrat ist erschöpft. Gösser Bier nur bis hier. Eine mittlere Katastrophe. Wir suchen uns einen kleinen Market entlang der Strecke. Efes Bier – türkisches Bier – gutes Bier. Kostenpunkt: 2€ je Dose. Türkeipromillegrenze: 0.5 Promille. Grundsätzlich wird in der Türkei Bier getrunken – aber nicht in der Öffentlichkeit. Über den teuren Preis wird hier der Alkoholkonsum geregelt. So wie in Schweden und Norwegen. Daher sind die Skandinavier bei uns auch immer so bummdialzua.

 

 

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Wir fahren über einen Pass bei Gerede. Auf dem Weg ungeheuere Maschinen. Seehöhe 1500m. Es ist saukalt. Es regnet immer wieder. Und dann scheint immer wieder die Sonne.

Wir fahren rechts raus in ein Offroad Gebiet um unseren Auspuff zu testen. Geile Show. Mitten im Wald machen wir ein Motorhaubenpicknick. Würste und Rauchfleischdosen aus Linz. Käse aus Istanbul. Brot und Bier vom lokalen Market.

20160505_155154 20160505_155318

Offroad Video. Gogo hat mittlerweile ca. 25.000 Stunden Videomaterial. 33 GB an Daten. Gogo – wer soll das schneiden und anschauen. Wir werden ihm noch einmal dankbar sein.

17:34 Ankara – Nüfus: 4.500 000

20160506_175152Toni fährt bei rot über die Kreuzung. Im Radio vom USB Stick: Jo wie denn wos denn. Wo samma den daham. Toni ist schon ein einheimischer was das Autofahren anbelangt. Jeder wächst mit den Aufgaben.
Wir lassen Ankara links liegen. Und fahren noch ca. 50 km südlich ins Bergdorf Haymana.

20160506_185529Die Anfahrt durch wunderschöne Landschaften. Regen mit 2 Regenbögen bis zum Boden sichtbar. Den Schatz holen wir uns.

Der Landschaftswechsel ist eines der Highlights dieser Reise. Mit der Entfernung ändert sich die Vegetation, die Hügel, die Tiere. Wir fahren an einem Storchenbaum vorbei. Ein kleiner Auchtoniweißdenbaumnamennicht Baum (konnte er auf 200m nicht an den Blättern erkennen – Toni Toni) mit ca. 50 Störchen darauf. Sollten Weibchen sein, die auf dem Weg Richtung Norden hier eine kurze Rast machen um dann im Burgenland für den Fortpflanzungsakt ausgerastet sind.

Ein verschleiertes Bergdorf wird umhüllt von Nebelschwaden links sichtbar. Das wird für heute unser Ziel werden.

Holz asm Dach und geiler Kühler in der Motorhaube…

Die Anfahrt ins Camp – oder was immer es heute wird – erweist sich als sehr schwierig. Wir kennen den Ort aber mehr auch nicht. Keine Beschilderung zum Camp. Andere Teams suchen auch. Ein Konvoi entsteht. Wir führen wieder einmal an. Der Thron steht majestätisch am Dach und ist weithin sichtbar. Wir drehen unsere Runden. Letztendlich finden wir den Parkplatz vor einer Schule. Sehr klein. Hier in diesem Dorf sind alle Teams auf kleinere Parkplätze verstreut. Es regnet. Heute kein Bierzelt. Passt auch. Es ist 19:00.

Bett vorbereitet. Das heißt konkret? Da wir sehr viele Taschen, Rucksäcke und Jacken – es ist noch immer saukalt -,  eine Gitarre, ein Keyboard und einen Campingsessel tagsüber auf der Liegefläche haben, muss das alles nach vorne geräumt werden. Aber natürlich so, dass alles beim finalen Bettgehen griffbereit ist. Klopapier, Waschzeug, Fön – hahaha Scherz…Gogo hat Glatze, Andi Kurzhaar, Toni Kapperlhaare, Klaus kein Kommentar (da hilft ein Fön auch nicht mehr.)

Startklar zum Essengehen. Heute lassen wir es uns gut gehen.

Wir kommen an einem Türkcell Shop vorbei. Da wir mit der neuen Sim Karte nicht nach Österreich telefonieren können, stimmt da was nicht. Das müssen wir klären.

20160503_180806

Man versteht sich obwohl man sich nicht versteht.

Die Dame im Shop ist sehr nett – versteht aber nur türkisch. Klaus versucht mit Händen und Füßen zu erklären wo das Problem ist. Keine Chance. Wie soll man auch erklären, dass das Telefonieren innerhalb der Türkei funktioniert, auch der Datentransfer funktioniert aber bei einer österreichischen Nummer kommt eine Stimme: Charge zur prepaidcard.

Nach einem Tipp von Klaus ruft die Dame die Hotline an. Wir kommen weiter. Klaus redet mit dem Mann an der Hotline. Der kann gut Englisch und versteht die Situation. Yeah. Wir kommen weiter. Klaus gibt das Telefon der Dame zurück, die mittlerweile ein Herr ist.
Ein anderer Mitarbeiter, der zumindest in Englisch bis 3 zählen kann hat sich unseres Problems angenommen. Die Dame hat in der Zwischenzeit den Problemfall eines weiteren Teams. Da ja gerade die Hotline an unserem Telefon ist, soll die Hotline auch diesen Fall gleich lösen. Wir haben Zeit.

Als nach ca. 30 min das Problem des weiteren Teams gelöst ist, weiß der Mitarbeiter nichts mehr von unserem. Klaus erklärt der Hotline noch einmal das Problem. Wir zahlen 20 Lira und können nun nach Österreich telefonieren.

War ja ganz einfach. 1,5 Stunden verplempert. Andi und Gogo genossen das Kabarett. Toni hat ein klein wenig gemützelt.

 

Wir gehen gegenüber in ein Restaurant, das so richtig urtümlich aussieht. Wir sind die einzigen Gäste. Wir bestellen nach Karte. Andi – unser Profikoch – geht zur Vitrine und bestellt per Fingerzeig. 3 Spieße. Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger.

Ein weiteres Team mit 9 Mitgliedern kommt ins Lokal und gesellt sich zu uns. Der Wirt wird nervös. Ein kleiner Junge mit ca. 8 Jahren kommt die Treppe herunter. Der Wirt schafft ihm was an. Der Junge geht in die Küche und kommt nach 10 min mit unseren Vorspeisen zurück. Für den Jungen scheint es Alltag zu sein. Der Hauptgang wird serviert. Andi bekommt 2 Spieße. Warum nicht 3? Wir vermuten, dass der Daumen – so wie in China – nicht beim Fingerzählen gerechnet wird. Das werden wir im Laufe der Reise sicher noch klären können.

Wir wollen zahlen. In diesem Moment setzt aber ein Muezzin mit dem Vortrag einer Sure über eine Lautsprecheranlage im ganzen Dorf ein. Der Wirt horcht andächtig und gibt uns ein Zeichen, dass wir warten sollen. Nach 5 Minuten ist der Gesang vorbei. Wir bezahlen und gehen mit einem guten Essen im Bauch nach Hause.

IMAG3685Am Nachhauseweg kommen wir bei einem Barbier vorbei. Andi der Barbar stachelt schon sehr. Er genehmigt sich eine Rasur. Eine Wohltat. Und er ist auch wieder ansehnlich – der Stoppelbär ist wieder ein Kuschelbär.

22:00 Andi und Toni gehen ins Autobett.

Klaus bekommt einen Geheimtipp: Man kann auf dem Boden in der Schule schlafen. Genial. Das klingt nach ein klein wenig mehr Platz. Er holt seine Matratze und den Schlafsack aus dem Auto und maschiert damit in die Schule. Auf dem Weg verliert er die Matratze. Da der Parkplatz sehr schlammig vom Regen ist, ist das nun auch die Matratze. Na super. Der Schulwart kommt. No No. Polisi. Klaus: Arkadas (Freund auf türkisch), sleep here. No no. Polisi. Nix Arkadas.

Keine Chance. Klaus bringt die Matratze wieder ins Auto, weckt damit Andi ein zweites Mal auf und braucht danach noch ein Frustationsbier. Gogo belächelt die Situation.

DCIM100GOPRO

Klaus beim Bloggen. Bild mit der GoPro aufgenommen. Leider total verzerrt in der Bauchgegend.

Gogo und Klaus checken noch die Fotos des Reiseblogs. Maa das ist eine Hacke. Wir haben mittlerweise 8 Medien, die wir zusammenspielen müssen. Von jedem Teilnehmer ein Handy und ein Fotoapparat. Klaus hat ein Programm, das die Files nach Datum und Uhrzeit benennt. Leider sind aber nicht alle Geräte richtig eingestellt. Das ist ein Horror.

0:00 Blog fertig und Bilder richtig dazugestylt. Darauf trinken wir. Aber wegen der Fotos müssen wir uns was anderes einfallen lassen.

Gogo geht ins Bett.

Der schlimme Klaus muss noch einmal in die Schule. Hausaufgaben nicht gemacht. Er schreibt noch an einem Blog weiter. Um 1:00 muss er die Schule verlassen – das Nachsitzen hat ein Ende.