Tagwache: 7:00

Gogos erster Gedanke: Ich habe heute Hochzeitstag. Gratulation. Er hat Sehnsucht nach seiner Uschi. Schon in der Früh. Wir trösten ihn. Wir lieben Dich auch und was hat die Uschi was wir nicht haben. Das macht ihn auch nicht so richtig glücklich. Er wird kurz wehmütig. Wir haben es versucht.

Gogo lenkt sich ab, indem er wieder den Chef spielt. Wir müssen alles noch abbauen, zusammenräumen, befestigen, einräumen. Es regnet. Kein guter Zeitpunkt. Aber wir müssen/wollen.

DSC00619Um 8:08 soll Abfahrt sein zur blauen Moschee – den 2. Friedensgarten pflanzen. Pünktlich um 9:00 geht’s los. Wir fahren im Konvoi mit Polizeieskorte dorthin. Ca. 3 km Strecke. Nach 500m haben sich alle verloren. Ampel. Baustellen. Umleitung. Rein/Rausdränger. Weil wir ein sehr hohes Auto haben sind wir plötzlich der Head des Konvois und geben die Richtung und das Tempo an. 2 Ehrenrunden sind schnell gemacht. Wir finden trotz Baustelle einen Weg hinauf zur blauen Moschee.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAnkunft 10:00 genau am Platz , wo heuer im Jänner der Sprengstoffanschlag verübt wurde. Ein sehr bewegender Moment und eines der Ziele dieser Reise: wir lassen uns nicht einschüchtern vor dem Terror einer kleinen Gruppe von Arschlöchern. Nicht die Religion ist das Problem – sie ist nur der Deckmantel für diese Greueltaten. Wir wollen Frieden vermitteln und diesen hier bekunden.

Es wird noch ca. 1 Stunde dauern, bis die offiziellen Ansprachen beginnen. Toni und Andi gehen auf einen Kaffee. Diesmal will Andi seine Zukunft wissen. Auch die deutet er positiv. Originalzitat Andi: „Na bitte – bei diesem Körper und diesem Aussehen kann das alles nur ausgezeichnet weitergehen.“ Andi ist in seiner männlichen Mitte. Klaus ist Andi’s Bettgenosse. Er kann das alles bezeugen.

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man muss sich nicht anstellen – quasi VIP Ticket – und man erhält Informationen, die man selber nie sehen und erfahren würde. Denn die eigentlichen Fragen kann ein elektronischer Audio Guide niemals beantworten. Warum ist der Altar in der Hagia Sofia nicht exakt in der Mitte des Halbkreises?

Total geflasht kommen die beiden zurück. Dieses Stück Zeitgeschichte ist so beeindruckend. Die 3. Version der Hagia Sofia ist 1500 Jahre alt und kann 15000 Menschen im Inneren aufnehmen. Fünfzehntausend. Ein christliches Gebäude der Griechen das nun als Museum deklariert ist. Klaus kommt aus dem Schwärmen nicht heraus. Er ist schon ein kleiner Toni.

20160505_115446Die Rosenzeremonie geht los. Andi ruft Klaus an. Wo ist der Autoschlüssel? „Habe ich dir zuerst im Kaffee gegeben.“ Andi: „Kann ich mich nicht mehr erinnern.“ Andi findet ihn in einer seiner 100 Taschen in der Jacke. Dieses Thema wird uns wahrscheinlich noch öfter verfolgen.

Wir stellen unseren Rosenstock zum Obelisk. Dieser ist gesponsert von der Gemeinde St. Florian – Klaus’s Wohnort. Ein Schild der Marktgemeinde St. Florian ist drauf. An alle Florianer: Wer immer nach Istanbul kommt sollte diesen Platz besuchen. St. Florian hat damit auch zum Frieden beigetragen.

Demut und Dankbarkeit und Stille. Innehalten und Danke sagen für das was uns das Leben gegeben hat. Es ist nichts selbstverständlich.

13:00 Bereitmachen zur Abfahrt. Klaus und Andi geben ein Fernsehinterview. Die Rallye ist hier in den Medien sehr stark erwähnt und mit Wohlwollen aufgenommen. Wir sind Helden.

Abfahrt im gesamten Konvoi mit Polizeieskorte Richtung Bosporus Brücke. Angeblich wird diese wegen uns gesperrt und wir werden mit einem Hubschrauber von oben gefilmt. Entfernung zur Brücke ca. 15 km.

Nach ca. 2 km ist das gesamte Feld zerrissen. Wir sind wieder Leader einer kleinen Gruppe. Stau.

Es geht im Schritttempo voran. Von der anderen Seite kommen auch Teams. Wir sind noch am richtigen Weg.

Dann ein Schock: Beim Roten anscheinend Totalschaden. Scheiße. Klaus am Steuer ist verzweifelt. Wir schauen, dass wir irgendwie noch ein klein wenig vorankommen. Unmöglich. Was ist passiert? Die Hupe ist ausgefallen. Andi kompensiert die Hupe mit Handzeichen und brunftigen Hupgeräuschen. Es geht wieder weiter. In der Nacht wird Toni die Hupe heimlich reparieren.

DSC00606Es geht den Berg zur Brücke hinauf. Die Kupplung eines anderen Teams löst sich auf. Sie fahren auf die Seite. Wir werden später erfahren, dass sie es noch einer kleinen Abkühlung geschafft haben wieder weiter zu fahren. Bei einem anderen Team geht die Wasserpumpe ein. Der Kühler verglüht. Sie werden sehr spät in der Nacht ins nächste Camp kommen.

IMG_3463Die Fahrt über die Bosporus Brücke. Wir verbinden Europa mit Asien. Schon wieder ein bewegendes Erlebnis. Wir fahren noch ca. 50 km ins Camp, dass vor 6 Jahren extra für diese Rallye angelegt wurde. Es ist ein schöner Platz in den Bergen. Es regnet.

Wir suchen uns zwischen den gut duftenden Föhrenstauden unseren Platz. Toni: Das sind keine Föhrenstauden – das sind Aleppokiefern. Wikitonia hat wieder zugeschlagen.

Es duftet wunderbar nach Lavendel, Tymian und sehr vielen anderen Gewürzen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEinheimische Kinder kommen vorbei. Die Reichen kommen und haben sicher Geschenke für uns mit. Haben wir. Die Freude ist groß. Wir spielen eine Runde Fußball mit ihnen und schenken auch Matchboxautos her. Sie drehen Ihre Runden und erhalten bei sehr vielen Teams Spielsachen, Pickerl, Essen. Haben wir früher auch alles gemacht.

IMG_3478Gogo beginnt wieder mit der Niederlassungsroutine. 2cm vor. 4 Grad Richtung Süden. Klaus ist das zuviel. Er will zuerst einfach den Platz erkunden. Runter mit dem Fahrrad und los geht’s. Er kommt nicht weit. Es werden bereits ausgezeichnete Hamburger für uns vorbereitet. Klaus schnappt sich 4 und fährt zum Team zurück. Das ist Arbeitsteilung. Tisch und Plane sind fertig aufgestellt und das Mahl kann eingenommen werden. Prost.

DSC00623Das neue Rallyegebäude wird eröffnet. Angeblich war am Vortag noch nichts verfliest. Es schaut alles sehr gut aus. Hohe Politiker sind anwesend und sprechen auch von einem sehr guten Projekt für die Völkerverständigung. Wir fühlen uns hier sehr wohl.

In einer Stunde startet die Drachenchallenge. Ziel ist es einen Drachen selbst zu bauen und mit diesem so lange wie möglich in Luft zu bleiben. Der Sieger bekommt einen Sonderpunkt. Toni, Andi und Klaus optimieren den Drachen. Gogo hat kapituliert. Gewicht dran. Bierdose dran. Hier noch ein kleiner Schnitt. Schur weiter rauf. Testflug Nr. 3514. Schwanz dran. Eine Kollegin vom Nachbarteam kommt vorbei: Euer Schwanz ist zu lange. Andi grinst nur.

20160505_180842Wir gehen an den Start. Der Wind ist zu stark. Toni: Wir brauchen einen schwereren Jungfelsen. Optimal. Er wird noch von einem Einschnürer zu einem Zweischürer umgebaut. Er fliegt. Wir schaffen ca.10 Sekunden und bekommen einen Sonderpunkt für die originelle Form – unser Teamlogo. Super gemacht. Das war Teamarbeit. Und wir haben mit dem Jungfelsen kein anders Team erschlagen. Das muss gefeiert werden.

Abendessen war für 18:00 angesetzt. Haben wir in der Hektik alle komplett übersehen. Andi und Toni kochen ein Gulasch. Andi: „Wo sind die tiefen Teller?“ Gogo: „Haben wir keine“. Wir essen aus den Trinkbechern. Es ist sehr viel geplant. Es kommt sehr vieles anders. Hier sind wir richtig.

Unser Platz füllt sich wieder mit anderen Teams. Wir laden ein zum Gulasch. Sie bringen dafür Bier mit. Es gibt nicht mehr Meines und Deines. Es gibt nur mehr Unseres.

Ein Paradoxon wird uns bewusst. Immer wenn wir auf einem Platz ankommen meint Andi – ja hier stellen wir uns hin – hier ist es schön ruhig.

Aber eigentlich ist es immer dort, wo wir sind, nicht ruhig. Wir sollten uns daher das nächste Mal dorthin stellen wo wir nicht stehen :-)

Die Party steigt. Gute Gespräche mit anderen Teams über Ihre Hilfsprojekte. Spielsachen für ein Waisenhaus in Bulgarien. Dort sind elternlose Kinder total vergessen. Sie werden von keinem System aufgefangen. Die Begeisterung ist so ansteckend, dass wir es fast Schade finden, dass wir nur ein Hilfsprojekt hatten. Aber eines ist besser als keines.

Wir hatten im Vorfeld der Rallye einige Diskussionen, dass es in Österreich auch genug hilfsbedürftige Menschen gibt. Warum bringt ihr das alles da runter? Unsere Antwort: Wir bringen das den Menschen, denen wir helfen wollen. Helft ihr doch bitte den Menschen denen ihr meint, dass wir helfen sollten. Dann ist zumeist Stille. Übrigends helfen wir auch in Österreich österreichischen Familien. Erwähnen wir aber nicht immer. Es geht zuerst um Menschen – egal welcher Nationalität und Religion.

Es regnet.

23:30 Andi und Toni gehen schlafen.

Gogo und Klaus halten die Stellung. Doch heute soll es wirklich nicht zu lange werden.

00:44 Die letzten Gäste verlassen uns. Ein Bayer – da Hatti – schlägt sein Feldbett unter unserer Plane auf. Wir geben heute Schlafaysl.

Es duftet noch immer nach Lavendel.