Auch dieser Tag startet so wie der vorherige um 4:45. Wir sind sehr ehrgeizig geworden und freuen uns schon sehr auf Istanbul und das erste Bier seit 3 Tagen. Was ist das bisher für ein bierloser Urlaub?

Wir entscheiden uns für den Weg über Burgas am schwarzen Meer. Das sollte eigentlich die ruhigere aber nicht ganz so schnelle Strecke sein.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnd das war eine gute Entscheidung. Es geht flott voran und wir erreichen bereits nach 2 Stunden the „Black sea“.

Leider haben die Kaffeehäuser erst ab 9:00 offen. Daher fahren wir nach einem Stopp am Meer weiter Richtung türkische Grenze. Es sollten noch ca. 120 km sein.

Gogo driftet durch den Nationalpark. Bulgarien drift. Uuuu das war knapp. Regennasse Fahrbahn und eine starke Kurve bergab…mächtig Glück gehabt (und Können).

Ich habe von meiner Mama einen Rosenkranz als Schutz geschenkt bekommen. Und mein Neffe Christoph hat mir in der Woche vor dem Start noch eine kleine Madonna mit der Post geschickt. In einem sehr lieben Brief hat er mir mitgeteilt, dass diese Madonna auf mich auspassen wird damit ich wieder gut nach Hause komme. Vielleicht hat sie in diesem Moment gerade gute Arbeit geleistet. Danke Christoph – du auch.

Die Grenze. OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Die Grenzkontrollen erweisen sich als sehr einfach. In 2 Minuten ist alles erledigt. Die Grenzbeamtin macht sogar ein Bild von uns.

Wir fahren weiter. 2m. Stop. Stop. Passport. Gogo hat einen illegalen Grenzübertritt gemacht. Yeah – wir sind diesen Wichtigtuer los. War ein Scherz.

Aber tatsächlich müssen wir die Papiere noch einmal herzeigen.

Auch kein Problem. Es geht weiter. Diesmal ca. 100m. Wieder Stop. Passport. OK. Nächstes Fenster: Visum. OK Nächstes Fenster Autopapiere.

Und dann das eigentliche Problem: Wir haben Gogo vorausgeschickt. Der schaut sowieso verdächtig aus.

20160503_100014 (Medium)Wir werden gefilzt. Sein Bart auch. Er muss erklären wofür das Eisengestell am Dach benötigt wird und macht den Probesitztest mit Druckgesicht. Hahaha. Die Beamten sind auf unserer Seite. Da macht die Messergitarre von Klaus auch kein Problem mehr.

 

 

 

 

Istanbul: 220 km…YEAH

Kurzer Check der anderen Teams – wir sind bereits unter den Top 5…es hat sich ausgezahlt. Wir bleiben auf Geschwindigkeitskurs.

Kaffepause auf der Tankstelle. Rechts ran für eine Tankladung und einen Kaffee. Es gibt nur einen Kaffeeautomaten, der mit türkischen Lira funktioniert. Wir haben noch keine Lira – und damit also doch keinen Kaffee. 20160503_122534 (Medium) Ein Mitarbeiter bekommt das mit. Er lädt uns auf einen Kaffee ein. Unkompliziert und eine völkerverbindente Geste. Das war eine sehr schöne Begrüßung dieser Stadt: Die Menschen heißen uns willkommen. Wir kommen ins Gespräch. Er kann deutsch. Er war 1 Jahr lang in der Gastronomie in Deutschland. Er ist wieder zurückgekommen. Heimat ist Heimat. Kein Mensch verlässt diese freiwillig.

Die ersten Moscheen.

Das Mittelmeer. Es kommt ganz plötzlich von rechts daher. Noch 100 km.

Die Straßen sehr unruhig mit großen Schlaglöchern. Nicht unbedingt optimal für unseren Schwarzen wegen des reparierten Auspuffs. Aber was soll bei dieser Reparatur schon passieren.

Die Stadt beginnt.

Es ist jetzt 11.10. Also kein Morgen oder Abendverkehr. Da sollte es ja nicht so stauig werden. Alles relativ.

6 Spuren in eine Richtung. Andi und Klaus vorne im Roten. 20160503_134438 (Medium)Toni und Gogo hinten. Andi und Toni fahren. Jetzt ist es wichtig sich nicht zu verlieren. Unser Funk reicht oft nur wenige Meter. Ab 100 kommt oft bereits die Meldung: „Schlechte Verbindung.“

 

Da wir den Verkehr bei uns in Österreich nicht so praktizieren wie hier, ist die Aufgabe zusammen zu bleiben nicht einfach. Das sollte jeder bestätigen können, der bereits einmal östlicher als Wien unterwegs war. Das Nichtandieverkehrsregeln halten ist direkt proportional zur Entfernung von Wien.

Von links kommt wer herein, von rechts, der Bus, die Polisi, die Taxis. Es wird gehupt. Es wird gefuchtelt. Der rote Eagle ist weg. „Bitte auf die mittlere Spur und überholen“. Klingt einfacher. Man muss frech sein. Toni lernt dazu. Andi auch. Toni weiß jetzt wo die Hupe ist und drängelt schon fast wie ein Türke und Andi übt sich in Geduld. Mit dem Verkehr und mit Toni. Man spürt erste Spannungen im Team. Es hat jeder sein Tempo und seine Ziele. In solchen Situationen heißt es Ruhe bewahren.

Das vordere Auto hat immer die Navigationsrolle. In diesem Fall Andi und Klaus. Klaus als Beifahrer die Karte dabei. „Rechts raus. Links rein. Die vordere dort. Nein die zweite wärs gewesen. Klaus lernt dazu. Gogo auch. Klaus lernt sich Durchzusetzen. Gogo andere Meinungen zu akzeptieren.

3 Stunden für 15 km. Nicht schlecht. Wir sollten am Ziel sein. Und es sollte auch beschildert sein. 20160503_143626 (Medium)Wir sind unterhalb der blauen Moschee. Das war zu weit. Umdrehen. Ha. Wir finden ein Transparent – Allgäu Orient Rallye. In Weiß gehalten. Alle anderen Transparente waren bisher in grün. OK. Kann man also übersehen. Wir finden noch ein weiteres. Zu spät. Wir waren auf der falschen Spur. Noch eine Ehrenrunde. Kann man auch sehr schön am Livetracker sehen. Wir werden im Nachhinein erfahren, dass der Rekord bei ca. 3 Stunden im Umkreis von ca. 3 km sind – siehe Tracker Team 21. Hihi.

 

15:00, Sonnenschein

20160502_150818 (Medium)Der Platz ist gefunden. Aber sind wir hier richtig. Keine anderen Rallyeautos sind da. Ein Blick auf den Livetracker. Sollte so passen. Wir sind die ersten!!! Yuchu. Darum können wir uns zwar nichts kaufen – aber dafür den Standplatz aussuchen.

Wir schlagen ein – give me five. Das erste Ziel ist erreicht.20160503_145240 (Medium)

 

Wir nehmen die hintere Ecke. Da sollte es am ruhigsten sein. Sollte: 2. Konjunktiv. Gogos Perfektionissmus macht sich bemerkbar. Bitte noch 5 cm nach links und gerade stellen.

Den Hintern der Autos an den Zaun – das war zu weit.

Es wird hektisch:
Gogo will den Standplatz auf 5 Sternniveau bringen – Plane, Biertisch usw…
Toni will ein Nickerchen machen.
Andi nimmt seinen Campingstuhl und beobachtet das Treiben.
Klaus will mit dem Fahrrad nach Instanbul.

17:00 ein weiteres Team kommt – Österreicher. E Klar. Ötztaler Mopedmarathon. Das waren eigentlich laut Livetracker die Führenden. Sie sind um 3:00 in der Früh angekommen und das Camp war geschlossen.

Das erste gemeinsame Bier wird getrunken. Der Reihe nach kommen immer weitere Teams. Der Platz füllt sich. Alle beginnen sich für 2 Tage einzurichten.

Festivalstimmung.

Klaus schnappt sich das Rad und macht seine Istanbul Stadtrundfahrt. Endlich. Das gejammere hat ein Ende: Wann sind wir endlich da? Ich werde die blaue Moschee beradeln. Jo – mia san midm Radl do.

Er besorgt eine 3GB Karte fürs Handy für türkisches Internet. 27 Euro. Super Preis. Freundliche und sehr lustige Bedienung. 4systems – einer unserer finanziellen Sponsoren hat uns auch ein freigeschaltetes modernes Blackberry Handy geliehen. Das ist eine Sensation für die Verkäufer im Shop. Klaus ist ein Held.

Er drückt einem Istanbuler seine Kamera in die Hand. Er macht damit einen Film, wie Klaus durch Istanbul mit dem Rad fährt. Ein Traum ist in Erfüllung gegangen…

21:00: Der Platz ist nun schon ziemlich voll und die Größe der Rallye und der Teilnehmeranzahl wird wieder sichtbar.

Es werden wunderbare Geschichten der Reise bis hierher erzählt.

Bis Istanbul sind alle Rallyeteilnehmer Feinde – ab nun Freunde!

Es sind noch viele Teams wegen längerer Strecken und technischen KO’s noch unterwegs. Es hat noch kein Team aufgegeben. Aber es sind nicht mehr alle Teams komplett. Es stehen nicht mehr alle Teams im Camp nebeneinander. Wir sind noch eine Einheit. Der Schmäh rennt.

Wir besuchen und werden besucht. Wir werden eingeladen und laden ein.

23:00 Toni und Andi legen sich schlafen. Sie haben kein Problem mit unserer Bierzeltstimmung. Aber es gibt ja so viele lustige und interessante Menschen hier – da hat es wohl so kommen müssen, dass es für den Rest des Teams eine schware Partie wurde.

Gogo schaltet die Dämmerung ein. Klaus den Tag.

Andi: Guten morgen, Klaus: Gute Nacht.

Heute ist bereits morgen.

2 Responses to Istanbul als 2. Team erreicht – Tag 4, 470 km, Gesamt 2471 km
  1. Ja, mit der Berichterstattung seid ihr hinten😁…..oba des is sowas von toooootal wurscht. …die Hauptsache ist doch, es geht euch gut, eure Schutzengerl geben es nicht auf mit euch, die Segens/Glücksbringer sind immer dabei, ihr habt 3 bierlose Tage überstanden……
    Für mich besonders schön zu lesen…..In diesen Zeiten: ihr werdet in Freundlichkeit im fremden Land willkommen geheißen, auf Kaffee und Gespräche eingeladen…Könnt mit dem Fahrrad durch die Stadt zischen……
    Wunderbar hört es sich an……und trotz einiger Strapazen habt ihr den Humor mit-und füreinander nicht verloren.
    Also: Gratulation zum hervorragenden 2. Eintreffplatz und zu eurer Teamkultur und zu eurer Art, auf Menschen zu wirken. Alles Gute weiterhin und Danke für das Teilhaben lassen an diesen einzigartigen Eindrücken!

  2. Lest sich so cool ……..


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